Der Pavillon mit der Koutoubia-Minbar aus dem 12. Jahrhundert im El-Badi-Palast

Inmitten der sonnengebleichten Ruinen des El-Badi-Palasts steht, in einem unscheinbaren, eigens errichteten Pavillon, den man leicht übersehen könnte, eines der bedeutendsten erhaltenen Objekte islamischer Kunst in Nordafrika: die Koutoubia-Minbar. Anders als fast alles andere, was einst in El Badi untergebracht war, wurde sie im 17. Jahrhundert nicht nach Meknès verschleppt — ihr Überleben hier, in einem ansonsten bis auf die Grundmauern ausgeräumten Palast, ist fast ein historischer Zufall.

Was eine Minbar ist und warum diese besonders ist

Eine Minbar ist die erhöhte Kanzel, von der aus ein Imam die Freitagspredigt hält, meist eine treppenähnliche Struktur neben dem Mihrab, der Nische, die die Gebetsrichtung anzeigt. Manche Minbars sind schlicht, andere spektakulär — die der Koutoubia gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Sie wurde nicht für El Badi, sondern für die Koutoubia-Moschee in Marrakesch angefertigt und stammt aus der Zeit um 1137 — rund viereinhalb Jahrhunderte älter als der Palast, in dem sie heute steht.

Gefertigt wurde sie in Córdoba, damals eine der kultiviertesten Städte der islamischen Welt und ein renommiertes Zentrum der Handwerkskunst, und anschließend nach Marrakesch verschifft. Ihre Herstellung ist ein Meisterstück der Einlegearbeit: Tausende kleiner Holzstücke — Zeder, Ebenholz und andere Hölzer — sind zusammen mit Elfenbein- und Silbereinlagen zu geometrischen Mustern und Arabesken zusammengefügt. Historiker und Restauratoren beschreiben die Dichte und Präzision dieser Holzarbeit als nahezu unerreicht unter den erhaltenen Objekten der Almoraviden- und Almohadenzeit.

Wie ein solches Objekt in einen zerstörten Palast gelangt

Die Anwesenheit der Minbar in El Badi hat nichts mit dem ursprünglichen Bau des Palasts im 16. Jahrhundert zu tun — sie wurde erst Jahrhunderte später hierher gebracht, als sowohl die Minbar als auch die Moschee, der sie diente, bereits alt waren. Kostbare religiöse Objekte wurden in Marokko historisch oft aus Gründen der Restaurierung oder Sicherheit verlegt, und irgendwann wurde die alternde, fragile Minbar aus dem aktiven liturgischen Gebrauch genommen und schließlich in einem eigenen Pavillon innerhalb von El Badi untergebracht.

Ihre Platzierung in El Badi hat eine fast poetische Ironie: Ein Palast, der so gründlich ausgeräumt wurde, dass kaum etwas Dekoratives an Ort und Stelle überdauert hat, wurde dennoch zur Heimat eines der schönsten erhaltenen Kunstobjekte einer noch früheren Epoche der marokkanischen Geschichte.

Was man heute sehen kann

Besucher können die Minbar heute in ihrem eigenen, klimatisch geschützten Pavillon betrachten, getrennt von den Innenhöfen unter freiem Himmel. Da das Objekt fragil und unersetzlich ist, wird es hinter Schutzglas gezeigt — doch selbst durch das Glas ist die Dichte der Einlegearbeit erkennbar: enge geometrische Sternmuster, ineinandergreifende Rankenornamente und eine Ausführungsqualität, die einen ruhigen Blick belohnt.

Für alle, die sich für marokkanisches und andalusisches Kunsthandwerk interessieren, ist die Minbar wohl das historisch bedeutendste Objekt des gesamten Geländes — kunsthistorisch sogar bedeutender als der Palast, der sie heute beherbergt. Sie ist eine direkte physische Verbindung zum almoravidischen Córdoba, eine Verbindung, die den Untergang der Almoraviden, den Aufstieg und Fall der Saadier und die Abrisskampagne Moulay Ismails überdauert hat.